Gewerbegas: Tarife für Unternehmen und Selbstständige
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Wer gewerblich Gas bezieht, zahlt in aller Regel weniger je Kilowattstunde als private Haushalte. Der Grund steckt nicht im Einkauf, sondern in den Abgaben. Trotzdem bleiben viele Unternehmen jahrelang im Tarif, den ihnen der örtliche Versorger einmal zugeteilt hat.
Diese Seite erklärt, ab wann ein Gewerbegastarif gilt, warum Gewerbegas günstiger ist als Gas für Privatkunden, und welchen Weg Du je nach Gasverbrauch gehst. Ein Vergleich lohnt sich fast immer.
Ab wann gilt ein Gewerbegastarif?
Entscheidend ist eine Grenze aus dem Energiewirtschaftsgesetz. Nach § 3 Nr. 22 EnWG gilt als Haushaltskunde, wer Energie überwiegend für den Eigenverbrauch im Haushalt kauft oder für berufliche und landwirtschaftliche Zwecke bis 10.000 Kilowattstunden im Jahr. Wer als Unternehmen darüber liegt, ist kein Haushaltskunde mehr und bekommt Gewerbegas.
Praktisch heißt das: Ein Büro mit 8.000 kWh bleibt im normalen Tarif. Eine Bäckerei mit 60.000, eine Gaststätte oder ein Handwerksbetrieb mit eigener Halle liegen darüber und zählen zu den Gewerbekunden.
Auch Vereine, Praxen und Selbstständige mit gewerblich genutzten Räumen zählen zu den möglichen Gewerbekunden, sofern Verbrauch und Nutzung passen. Maßgeblich ist der Zweck, nicht die Rechtsform.
Warum Gewerbegas günstiger ist
Der günstigere Preis kommt aus der Konzessionsabgabe. Für Tarifkunden darf die Gemeinde bis zu 0,93 Cent je Kilowattstunde erheben, bei Sondervertragskunden sind es nur 0,03 Cent. Allein das macht bei 100.000 kWh rund 900 Euro aus.
Dazu kommt der Einkauf: Größere Mengen werden anders beschafft, und Gasanbieter kalkulieren für Betriebe mit weniger Vertriebsaufwand je Kilowattstunde. Produzierende Unternehmen können unter Umständen zusätzlich eine Entlastung bei der Energiesteuer geltend machen.
| Kundengruppe | Preis je kWh |
|---|---|
| Haushalte in der Grundversorgung | rund 13,6 Cent |
| Haushalte im Neukundentarif | rund 9,9 Cent |
| Gewerbegas, mittlere Abnahme | rund 8 bis 10 Cent |
Die Werte sind Anhaltspunkte. Was Dein Unternehmen zahlt, hängt an der Abnahme, am Netzgebiet und am Lastprofil. Den günstigsten Gewerbegastarif findest Du nur im Vergleich für die eigene Adresse, und dort auch den aktuellen Stand je kWh.
Zwei Wege, je nach Verbrauch
Hier trennt sich der Markt, und diese Unterscheidung ist wichtiger als jeder Tarifvergleich.
Bis etwa 1,5 Millionen Kilowattstunden wird Dein Verbrauch über ein Standardlastprofil abgerechnet. Der Versorger schätzt anhand typischer Verläufe, wann Du wie viel abnimmst. Für sie gibt es feste Gewerbegastarife, die sich direkt vergleichen und online abschließen lassen. Das betrifft die große Mehrheit.
Darüber greift die registrierende Leistungsmessung**, kurz RLM. Ein Zähler erfasst den Verbrauch dann viertelstündlich, und der Preis wird individuell kalkuliert. Listenpreise gibt es dafür nicht. Wer in diesem Bereich liegt, holt Angebote direkt bei mehreren Versorgern ein oder lässt einen Energiemakler ausschreiben.
Ob RLM oder Standardlastprofil, steht auf Deiner Jahresabrechnung. Im Zweifel weiß es der Netzbetreiber.
Worauf Gewerbekunden achten sollten
Die Kriterien ähneln denen für private Haushalte, die Beträge sind nur größer.
Die Preisgarantie sollte neben der Beschaffung auch die Netzentgelte abdecken. Bei einem hohen Gasverbrauch schlägt jede Erhöhung sofort mit vierstelligen Beträgen durch, und ein hoher Preis bindet sich dann für die ganze Laufzeit.
Die Vertragslaufzeit liegt bei Gewerbegas häufig bei 12 oder 24 Monaten. Längere Bindung ist vertretbar, wenn die Preisgarantie genauso lange läuft. Sieh nach der Kündigungsfrist, üblich sind ein bis drei Monate zum Laufzeitende.
Prüfe die Abrechnungsmodalitäten: monatliche Abschläge oder Vorauszahlung, und ob der Anbieter eine Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer stellt. Für den Vorsteuerabzug ist das nicht verhandelbar.
Von Vorkasse und Kaution raten wir bei Gewerbegas genauso ab wie bei Tarifen für Haushalte. Bei diesen Summen steht mehr auf dem Spiel.
Gewerbegas vergleichen und wechseln
Für Gewerbekunden mit Standardlastprofil läuft der Wechsel wie bei Haushalten. Du gibst Postleitzahl und jährlichen Gasverbrauch ein und siehst die verfügbaren Angebote im Vergleich. Der neue Gasanbieter kündigt beim bisherigen Versorger und meldet die Belieferung beim Netzbetreiber an.
Zwei Unterschiede gibt es. Erstens brauchst Du zusätzlich die Angaben zum Unternehmen, meist Firmierung und Handelsregisternummer. Zweitens prüfen manche Versorger die Bonität, bevor sie den Vertrag bestätigen. Das dauert meist nur kurze Zeit.
Eine Versorgungslücke ist ausgeschlossen. Fällt ein Anbieter aus, springt die Ersatzversorgung ein. Sie ist teuer, aber sie ist da.
Wer einmal jährlich vergleicht, kann dauerhaft sparen und senkt die Betriebskosten. Bei 100.000 Kilowattstunden liegen zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Vertrag schnell 2.000 Euro im Jahr. Genau deshalb lohnt der Aufwand.
Die häufigsten Fehler beim Gewerbegas
Vier Muster kosten Unternehmen regelmäßig Geld, und alle vier sind leicht zu vermeiden.
In der Grundversorgung bleiben. Wer nie aktiv gewechselt hat, zahlt den höchsten Preis im Netzgebiet. Bei entsprechender Abnahme summiert sich das schnell auf einen vierstelligen Betrag im Jahr.
Nur auf den Arbeitspreis schauen. Der Grundpreis liegt bei Gewerbegastarifen deutlich über dem für Haushalte. Erst beide Werte zusammen ergeben die Angebote, die wirklich günstig sind.
Den Verlängerungstermin verpassen. Läuft die Frist ab, verlängert sich der Vertrag automatisch, und die neuen Konditionen sind selten die günstigsten. Ein Termin im Kalender genügt.
Zu wenige Angebote einholen. Gerade bei großer Abnahme lohnt es sich, mehrere Angebote nebeneinanderzulegen statt beim erstbesten zu unterschreiben. Die Spannen sind größer als bei Tarifen für Haushalte.
Ökogas für Gewerbe
Auch im Gewerbe gibt es Gewerbegastarife mit Biogasanteil oder klimaneutralem Gas. Der Aufschlag liegt meist unter einem halben Cent je Kilowattstunde.
Für Unternehmen mit Nachhaltigkeitsbericht oder Zertifizierung nach ISO 14001 kann das mehr wert sein als der Aufpreis kostet. Verlange ein unabhängiges Zertifikat und lass Dir den Anteil schriftlich bestätigen, sonst taugt die Angabe für den Bericht nichts.
Häufige Fragen zu Gewerbegas
Was ist Gewerbegas?
Erdgas für gewerbliche Abnehmer außerhalb der Haushaltskundenregelung. Es ist dasselbe Gas aus demselben Netz, nur mit anderen Abgaben und anderen Vertragskonditionen.
Ab welchem Verbrauch lohnt sich ein Gewerbegastarif?
Ab 10.000 Kilowattstunden im Jahr für gewerbliche Zwecke greift die Grenze aus § 3 Nr. 22 EnWG. Spürbar wird der Vorteil ab etwa 30.000 Kilowattstunden, weil die niedrigere Konzessionsabgabe mit der Abnahme skaliert.
Wie viel können Unternehmen sparen?
Bei 50.000 kWh liegen zwischen Grundversorgung und einem guten Gewerbegastarif oft 1.000 bis 1.500 Euro, bei 100.000 kWh das Doppelte. Den größten Teil davon macht die Konzessionsabgabe aus.
Was bedeutet RLM?
Ab etwa 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr wird viertelstündlich gemessen statt geschätzt. Für diese Unternehmen gibt es keine Listenpreise, sondern individuelle Angebote.
Können auch Vereine und Selbstständige Gewerbegas beziehen?
Ja, wenn die Räume gewerblich oder für den Vereinszweck genutzt werden und der Verbrauch über der Grenze liegt. Die Rechtsform spielt keine Rolle.
Muss mein Unternehmen den alten Vertrag selbst kündigen?
Nein, das übernimmt der neue Gasanbieter. Selbst kündigen musst Du nur bei einem Umzug des Betriebs oder wenn Du wegen einer Preiserhöhung das Sonderkündigungsrecht nutzt.