Gasverbrauch beim Gasvergleich: lieber mehr oder weniger?
Inhalt dieser Seite
- Warum der Gasverbrauch das Ergebnis bestimmt
- Was passiert, wenn Du zu wenig angibst
- Was passiert, wenn Du zu viel angibst
- So ermittelst Du Deinen Gasverbrauch
- Gasverbrauch schätzen: Richtwerte für Wohnung und Haus
- Diese Faktoren verschieben den Gasverbrauch
- Was Du nach dem Wechsel prüfen solltest
- Häufige Fragen zum Gasverbrauch im Vergleich
Die kurze Antwort: weder noch. Der Gasverbrauch, den Du im Vergleich einträgst, sollte so genau wie möglich stimmen. Wer aufrundet oder abrundet, um besser dazustehen, bekommt am Ende einen Tarif, der für seinen tatsächlichen Verbrauch gar nicht der günstigste ist.
Warum das so ist und wie Du Deinen Gasverbrauch in kWh richtig ermittelst, steht auf dieser Seite.
Warum der Gasverbrauch das Ergebnis bestimmt
Jeder Gastarif besteht aus zwei Teilen. Der Arbeitspreis fällt je verbrauchter kWh an, der Grundpreis als fester Betrag im Monat. Welcher der beiden stärker ins Gewicht fällt, hängt allein am Gasverbrauch im Jahr.
Der Unterschied zeigt sich an einem Beispiel. Tarif A hat einen niedrigen Grundpreis und einen etwas teureren Preis je kWh, Tarif B umgekehrt. Bei 8.000 kWh im Jahr gewinnt Tarif A. Bei 24.000 kWh in einem Einfamilienhaus gewinnt Tarif B, und zwar deutlich. Der Unterschied kann deutlich über 100 Euro betragen.
Der Vergleichsrechner sortiert nicht nach dem billigsten Gas, sondern nach den Gesamtkosten für genau den Gasverbrauch, den Du eingibst. Eine falsche Angabe dreht die Reihenfolge.
Was passiert, wenn Du zu wenig angibst
Ein zu niedriger Gasverbrauch lässt alle Angebote günstiger aussehen, das ist der verlockende Teil. Zwei Dinge gehen dabei schief.
Erstens verschiebt sich die Rangfolge zugunsten von Tarifen mit niedrigem Grundpreis. Verbrauchst Du tatsächlich mehr Gas als angegeben, zahlst Du beim gewählten Anbieter für jede zusätzliche kWh den teureren Arbeitspreis. Der vermeintlich günstige Tarif ist dann nicht mehr der beste.
Zweitens setzt der Versorger den Abschlag auf Basis Deiner Angabe an. Liegt der echte Gasverbrauch darüber, kommt am Jahresende eine Nachzahlung. Bei einem Haus mit viel Gas im Jahr können das mehrere hundert Euro auf einmal sein.
Was passiert, wenn Du zu viel angibst
Der umgekehrte Fehler ist weniger schmerzhaft, aber auch nicht gratis. Du bekommst Tarife angezeigt, die auf einen großen Gasverbrauch optimiert sind, und zahlst monatlich zu viel.
Das Geld ist nicht verloren, mit der Jahresabrechnung bekommst Du es zurück. Bis dahin liegt es allerdings zinslos beim Gasanbieter, und Deine monatliche Belastung ist unnötig hoch. Bei 20 Euro zu viel sind das 240 Euro im Jahr, die Du nicht zur Verfügung hast.
Manche Verbraucher setzen ihren Gasverbrauch bewusst zu hoch an, weil sie Nachzahlungen fürchten. Sinnvoller ist der korrekte Wert plus ein kleiner Puffer beim Abschlag, den viele Versorger separat einstellen lassen.
So ermittelst Du Deinen Gasverbrauch
Der schnellste Weg zum richtigen Jahresverbrauch führt über die letzte Jahresabrechnung. Dort steht der Gasverbrauch in Kilowattstunden, meist auf der ersten Seite neben dem Abrechnungszeitraum. Diesen Jahresverbrauch trägst Du ein, fertig. Genauer geht es nicht.
Hast Du die Abrechnung nicht zur Hand, kannst Du den Gaszähler ablesen und den Jahresverbrauch daraus berechnen. Der Gaszähler sitzt meist im Keller oder im Hausflur. Er zählt in Kubikmeter, nicht in kWh. So rechnest Du den Gasverbrauch um:
Kubikmeter mal Brennwert mal Zustandszahl ergibt den Gasverbrauch in kWh.
Brennwert und Zustandszahl stehen auf Deiner Gasrechnung. Der Brennwert liegt in Deutschland meist zwischen 8,4 und 11,5, die Zustandszahl bei 0,95. Für eine grobe Schätzung genügt es, die Kubikmeter mit zehn zu multiplizieren. Genauer wird es mit den echten Angaben von der Rechnung.
Ein Beispiel: 1.900 Kubikmeter mal 10 ergeben 19.000 kWh, ein typischer Gasverbrauch für ein Reihenhaus.
Gasverbrauch schätzen: Richtwerte für Wohnung und Haus
Bist Du gerade eingezogen und hast weder Abrechnung noch Zählerstand, hilft eine Schätzung über die Quadratmeter. Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland verbraucht 140 bis 160 kWh Gas pro Quadratmeter im Jahr. Maßgeblich ist die beheizte Fläche, nicht die Zahl der Zimmer. Für Gas zählt jeder Quadratmeter, der warm wird.
| Wohnsituation | Größe | Jahresverbrauch |
|---|---|---|
| Wohnung | 60 m² | rund 9.500 kWh |
| Wohnung | 80 m² | rund 11.000 kWh |
| Reihenhaus | 120 m² | rund 19.000 kWh |
| Einfamilienhaus | 150 m² | rund 24.000 kWh |
Die Tabelle gilt für Heizung und Warmwasser zusammen. Wird das Warmwasser elektrisch erzeugt, liegt der Gasverbrauch um etwa 12 Prozent niedriger.
Diese Faktoren verschieben den Gasverbrauch
Solche Durchschnittszahlen sind ein Anhaltspunkt, mehr nicht. Vier Faktoren sorgen dafür, dass zwei gleich große Wohnungen völlig unterschiedlich viel Gas verbrauchen.
Der Zustand des Gebäudes wiegt am schwersten. Ein unsanierter Altbau kann doppelt so viel Gas verbrauchen wie ein vergleichbarer Neubau. Die Lage kommt hinzu: Eine Etage im Mittelgeschoss braucht weniger Gas als das Dachgeschoss mit drei Außenwänden, und ein freistehendes Haus mehr als ein Reihenhaus in der Mitte.
Auch die Gasheizung selbst spielt eine Rolle. Eine alte Gasheizung ohne Brennwerttechnik arbeitet weniger effizient und verbraucht bei gleicher Wärmeleistung spürbar mehr Gas. Der Austausch der Gasheizung senkt den Gasverbrauch spürbar.
Der vierte Faktor sind die Personen im Haushalt. Je mehr Personen unter einem Dach wohnen, desto mehr Warmwasser wird gebraucht. Pro Person rechnet man mit 500 bis 800 kWh im Jahr allein für Warmwasser. Zwei Personen mehr im Haushalt machen also schon etwa 1.500 kWh Gas im Jahr aus. Für eine kleine Wohnung mit zwei Personen fällt der Anteil kaum ins Gewicht, in einem großen Haushalt sehr wohl.
Wer wissen will, ob der eigene Gasverbrauch im Rahmen liegt, teilt ihn durch die Quadratmeter. Kommen mehr als 200 kWh je Quadratmeter heraus, lohnt ein Blick auf Dämmung und Heizung. Eine bessere Dämmung senkt den Jahresverbrauch dauerhaft.
Was Du nach dem Wechsel prüfen solltest
Kontrolliere den Abschlag gleich zu Beginn. Er sollte ungefähr den Gesamtkosten geteilt durch zwölf entsprechen, also Deinem Gasverbrauch mal Arbeitspreis plus Grundpreis, verteilt auf das Jahr. Weicht er stark ab, kannst Du ihn beim Gasanbieter anpassen lassen, meist online in wenigen Klicks.
Lies außerdem einmal im Winter den Gaszähler ab und rechne hoch, am besten gleich in Kilowattstunden. So merkst Du früh, ob Dein Verbrauch über der Schätzung liegt, und kannst nachsteuern, bevor die Abrechnung kommt.
Häufige Fragen zum Gasverbrauch im Vergleich
Soll ich beim Vergleich mehr oder weniger eintragen?
Weder noch. Trage den tatsächlichen Gasverbrauch aus Deiner letzten Abrechnung ein, richtig in Kilowattstunden. Ein zu niedriger Wert führt zu einem Tarif, der für Dich gar nicht der günstigste ist, ein zu hoher zu unnötig hohen Abschlägen.
Wie rechne ich Kubikmeter in Kilowattstunden um?
Kubikmeter mal Brennwert mal Zustandszahl. Beide Werte stehen auf Deiner Gasrechnung. Als Faustregel kannst Du die Kubikmeter mit zehn multiplizieren, das kommt der Realität nahe genug für den Vergleich.
Was ist ein durchschnittlicher Gasverbrauch?
Etwa 140 bis 160 kWh pro Quadratmeter im Jahr, wenn damit auch das Warmwasser erzeugt wird. Ein durchschnittlicher Haushalt auf 80 Quadratmetern liegt damit bei etwa 11.000 Kilowattstunden, ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern bei etwa 24.000 kWh.
Was passiert, wenn mein Gasverbrauch größer ausfällt als angegeben?
Nichts Dramatisches. Du bekommst mit der Jahresabrechnung eine Nachzahlung, und der Abschlag wird für das Folgejahr angepasst. Der Tarif bleibt derselbe, nur die Kosten fallen höher aus als kalkuliert.
Kann ich den angegebenen Verbrauch später ändern?
Die Angabe im Vergleich nicht, den Abschlag beim Anbieter schon. Nach dem Wechsel kannst Du im Kundenkonto einen realistischeren Abschlag einstellen, sobald Du weißt, wie viel Gas in Kilowattstunden tatsächlich zusammenkommt.